Die Zukunft der Arbeit ist hybrid? Aktuelle Studie warnt vor sozialer Erosion

Hybride Arbeitsmodelle sind auch nach Ende der Covid-19-Pandemie aus vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Und tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass das für die Produktivität und Zufriedenheit von Mitarbeitenden viele Vorteile hat.

Eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zeigt: Beeindruckende 80 Prozent aller Befragten berichten, die persönliche Produktivität in hybriden Arbeitsmodellen gesteigert zu haben! Dies stehe in direktem Zusammenhang mit der erlebten höheren Flexibilität und der Möglichkeit, die Arbeit nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten.

Aber: Die Studie spricht auch eine deutliche Warnung aus! Trotz der grundsätzlich erstmal positiven Einschätzung zur gestiegenen Produktivität in Hybridmodellen gibt es eine klare Schattenseite. Die Forscher*innen warnen vor zunehmender sozialer Erosion.

Denn: Der soziale Zusammenhalt und die Innovationskraft von Unternehmen zerbröseln, wo informelle Kontakte und spontane Begegnungen abnehmen oder ganz ausbleiben.

Fast 30 Prozent berichten von erheblichen Schwierigkeiten, Kontakte im Unternehmen zu knüpfen und sich integriert zu fühlen.

In der Studie wird auch erstmals ein konkreter Kipppunkt ausgemacht, ab der die Produktivität wieder sinke: Ab 60 Prozent, also bei rund drei Tagen im Homeoffice, geht es bergab.

Josephine Hofmann, die das Team Zusammenarbeit und Führung beim Fraunhofer-Institut leitet und die Studie begleitet hat, zieht in einer Pressemitteilung vom 4. Februar 2026 ein deutliches Fazit: Die Präsenzzeit sei entscheidend für die gesamte Produktivität des Unternehmens. Denn „sie ermöglicht wichtige informelle und fachliche Kontakte. Sie sollte gezielt dafür genutzt werden, soziale Erosionsprozesse zwischen räumlich getrennt arbeitenden Teammitgliedern zu verhindern.“

Wie viel Präsenzzeit optimal ist, hängt stark vom Unternehmen und dessen Tätigkeitsbereichen ab.

Gegenüber der Tagesschau ordnet sie die Studienergebnisse noch klarer ein: Arbeiten bedeute eben nicht nur abarbeiten, sondern: „Arbeit ist ja immer auch in Kooperation mit anderen. Arbeit zeichnet sich durch Austausch, durch informelle Kontakte, gegenseitige Kontakte, Hilfestellungen aus.“

Das deckt sich mit unserer Erfahrung als Möbelkollektiv:

  • Homeoffice ist nur bis zu einem bestimmten Grad sinnvoll. Entsprechend sind Präsenzoffices auch in Zukunft enorm wichtig, sollten aber anders gedacht und gestaltet werden. Stichworte sind u.a. mehr Wahlfreiheit für den Arbeitsort im Büro, flexible Arbeitsplätze, Technik und Ausstattung in Multifunktions- und Begegnungsräumen.
  • Der Arbeitsplatz wird zukünftig eine ganz neue Funktion erfüllen müssen; nämlich, „sozialen Erosionsprozessen“ (Hofmann) gezielt entgegenzuwirken mit entsprechenden Raumangeboten. Zentral werden: Räume für individuelle Bedürfnisse nach Aufgabe, Tagesform und persönlichem Kontext, spontane Begegnungen und überraschende Kontakte sowie für gemeinsame Werte und Verbundenheit.

[Literatur]

Hofmann, Josephine et al. (2026): Höhere Produktivität im Homeoffice? Eine Analyse der Vorteile und der Grenzen intensiver Nutzung von Homeoffice auf Basis einer Produktivitätsmessung bei der Techniker Krankenkasse. Fraunhofer IAO, Stuttgart.

Bild: Torsten Hönig

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